Die Situation der Kinder

Ein Tag von Isha

Isha, ist ein fünf jähriges glückliches Mädchen in Sierra Leone. Isha lebt mit ihren Eltern und ihrer großen Schwester in Hastings, einem Dorf 30 km von der Hauptstadt Freetown entfernt. Jeden Morgen steht sie um 6 Uhr auf. Sie hilft ihrer Mutter Wasser zu holen, um sich waschen zu können. Danach hilft sie noch das Feuer anzuschüren und macht sich für den Schulweg fertig. Sie zieht sich ihre Schuluniform an und achtet darauf, dass das Kleid schön gebügelt ist und die Schuhe poliert sind. Denn Isha weiß, dass sie vom Lehrer bestraft wird, wenn sie nicht ordentlich aussieht. Auch ihre Haare müssen ordentlich geflochten sein. Wenn vom Tag zuvor noch etwas übrig ist, gibt es noch ein wenig Reis mit Kasava Leave zum Frühstück. An manchen Tagen ist aber auch nichts übrig.

Dann läuft sie alleine in die Schule, so etwa eine halbe Stunde. Wenn sie nicht früh genug dran ist kann es sein, dass sie keinen Sitzplatz mehr bekommt  und stehen muss. Manchmal teilt sie sich einen Stuhl mit ihrer Freundin. Denn es sind mehr Kinder in ihrer Klasse als es Stühle gibt. Manche Kinder bringen daher ihren eigenen Stuhl mit in die Schule. Aber Ishas Familie hat nicht genug Geld dafür. Jeden Tag freut sich Isha auf die Schule, weil sie dort viele Freunde hat. Außerdem kennt sie viele Kinder, die nicht in die Schule gehen dürfen und stattdessen zu Hause arbeiten müssen. Isha geht aber lieber in die Schule und lernt Lesen, Schreiben und Rechnen.

Heute gab es in der Früh keine Reste vom Vortag. Deshalb bekommt sie schon um 10 Uhr ziemlich großen Hunger. Ihr Bauch grummelt und sie kann sich gar nicht mehr auf das konzentrieren, was der Lehrer sagt. Bis um 12:30 Uhr muss sie aber noch durchhalten.

Als die Schule aus ist geht sie direkt nach Hause. Ein paar der anderen Kinder spielen oft noch eine Weile auf der Straße. Aber von ihrem Freund Ali hat sie heute erfahren, dass er von seinem Vater geschlagen wurde, weil er seine Schuluniform beim Spielen kaputt gemacht hat. Das will Isha nicht riskieren. Denn so eine Uniform ist sehr teuer, und daher werden ihre Eltern sauer, wenn sie nicht darauf aufpasst! Außerdem ist Isha sehr stolz auf ihre schöne, saubere Schuluniform.

Zuhause bekommt sie von ihrer Mutter eine Handvoll getrocknetes Maniok. Es ist noch nichts gekocht, weil ihre Eltern den ganzen Vormittag auf dem Feld waren. Schnell zieht sie sich um, legt ihre Schuluniform sorgfältig zusammen und geht dann mit ihrer großen Schwester auf den Markt, um dort die Manioks zu verkaufen, die ihre Eltern auf dem Feld geerntet haben. Das macht ihr Spaß, weil sie dort rechnen lernt und mit den Leuten verhandeln kann. Da kann sie zeigen, was sie in der Schule alles gelernt hat. Wenn sie alles verkauft hat macht sie sich wieder auf den Heimweg. Endlich gibt es etwas Warmes zu essen. Inzwischen ist Isha schon richtig hungrig. Ihre Mama hat ihr Lieblingsgericht gekocht: Reis mit Kasavaleave. Das macht richtig schön satt.

Dann ist noch ein wenig Zeit mit den anderen Kindern aus der Nachbarschaft zu spielen. Seilspringen mag sie am liebsten.

Wenn es dunkel wird sitzen die Erwachsenen zusammen und unterhalten sich über den Tag oder erzählen Geschichten. Manchmal darf Isha noch dabei sitzen und lauschen. Das ist sehr spannend. Aber oft werden die Kinder auch schon früh ins Bett geschickt, denn so ein Tag ist sehr anstrengend. Heute ist Ishas Vater aber sehr gut gelaunt und erzählt zusammen mit dem Onkel eine witzige Geschichte aus der Kindheit. Isha und ihre Schwester müssen viel lachen.

Dann ist auch schon Zeit für das Bett. Heute war ein guter Tag. Isha durfte den Geschichten der Erwachsenen lauschen und schläft fröhlich ein. Sie freut sich schon auf die Schule morgen!

Isha hat Glück. Sie kann in die Schule gehen, weil ihre Eltern und sie selbst hart dafür arbeiten. Trotzdem gibt es in ihrem Alltag – so wie bei den meisten Kindern und Familien in Sierra Leone - viele Probleme:

  • Isha bekommt unzureichendes und einseitiges Essen à 44% der Kinder in Sierra Leone leiden unter ernährungsbedingter Unterentwicklung.
  • Die Schulausstattung ist mangelhaft à in den meisten sierra leonischen Schulen gibt es kaum Lehrmaterialien, unzureichendes Personal und eine schlechte Ausstattung
  • Isha muss arbeiten, um zur Schule gehen zu können à Kinderarbeit ist in Sierra Leone weit verbreitet.
  • Isha ist einer großen Anzahl gesundheitlicher Gefährdungen ausgesetzt à217 von 1000 lebend geborenen Kindern sterben vor ihrem fünften Geburtstag.
  • In der Gesellschaft trägt Isha als Kind bereits viel Verantwortung à Kinder müssen häufig zum Haushaltseinkommen beitragen, um sich Schulgebühren und Uniformen leisten zu können.
  • Viele Kinder in Sierra Leone sind in der Schule und auch Zuhause körperlichen Strafen ausgesetzt à der Großteil der Gesellschaft akzeptiert körperliche Strafen als Erziehungsmethode.
  • Isha hat wenig Zeit zu spielen, und ihre Eltern haben oft nur wenig Zeit sich mit ihr zu beschäftigen à Armut und Bildungsmangel führen zu mangelhafter Förderung von Kleinkindern.